Thema Erziehung

Auf Augenhöhe – schon mit den Jüngsten?

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Wie Familien es schaffen, es miteinander auszuhalten – und glücklich zu werden

Die Idee zu diesem Beitrag entstand auf der Grundlage eines bemerkenswerten Artikels in der Wochenzeitung DIE ZEIT1. In der Serie „Wer denkt für morgen?“ wurde der dänische Familienexperte Jesper Juul und seine Arbeit vorgestellt, mit der er Familien hilft, besser miteinander umzugehen. Ganz erstaunlich für unsere üblichen Vorstellungen, aber glaubwürdig für jeden, der es ausprobiert: nicht irgendwelche Regeln entscheiden über das Wohlergehen einer Familie, sondern der respektvolle Umgang miteinander. Auf die Beziehung komme es an, auf die Anerkennung des anderen – und zwar bei kleinen Kindern genauso wie bei denen in der Pubertät.

Respektvoller Umgang...

wird auch von vielen anderen Forschern und Praktikern aus unterschiedlichen Wissensgebieten bestätigt. Der Säuglingsforscher Daniel Stern1 hat durch seine Untersuchungen sogar begründen können, dass Kinder von Geburt an ernst genommen werden müssen, da sie ihr Selbst empfinden, lange bevor sie sprechen können und Selbstbewusstsein entwickeln. Stephen Covey, ein berühmter amerikanischer Unternehmer und Trainer, hat seine Arbeiten und Erkenntnisse zum Erreichen persönlicher Ziele auch auf den Familienalltag übertragen. Er prägte ein, wenn auch etwas drastisches, so doch gut nachvollziehbares Bild: nicht die einzelne Schlacht gewinnen wollen, sondern den Krieg2. Also in der einzelnen Situation immer wieder versuchen, sich bewusst zu machen, dass man langfristig ein gutes Verhältnis zu den Kindern möchte und das momentane Handeln diesem Ziel unterordnen. Wenn z.B. Sohnemann schon zum x-ten Mal aus Unachtsamkeit oder Gleichgültigkeit Geschirr zerbrochen hat, es sich nicht so leicht machen und eine Strafe anordnen wie „Dann darfst du heute nicht mehr raus gehen!“ (die wir Erwachsene ja auch lächerlich finden würden), sondern sich die Zeit nehmen, dem Kind zu erklären, was es falsch gemacht hat, worüber man sich selbst ärgert und es ermutigen, dass es das bestimmt noch lernt. Das Schwierigste ist dabei sicherlich, das Kind in dieser Unvollkommenheit doch als ganz vollkommen anzunehmen, als ganz richtig, so wie es im Moment ist.

Auch Erwachsene sind nicht fertig

Das heißt letztlich auch, die eigenen Fehler als Erwachsener zu akzeptieren. Gerald Hüther1 meint dazu, dass es gerade für die Lust am Lernen bei Kindern entscheidend ist, dass sie erwachsene Bezugspersonen haben, die nicht immer alles besser wissen. Und die vielen Jahre Erfahrung der Familientherapeutin Virginia Satir zeigen, wie wichtig es für ein glückliches Miteinander ist, aufrichtig miteinander zu reden. Das, was man fühlt, nicht zu verstecken, sondern sich dem anderen zu öffnen, ihn teilhaben zu lassen, und das, was man braucht oder erwartet, auch so zu benennen. Stolz und Ärger, Freude und Wut. Erwachsenen und Kindern gegenüber.

 

Quellen
1) Uchatius, Wolfgang (2009). Eine Frage des Respekts. DIE ZEIT Nr. 19, 30. April 2009, S. 43.
2) Covey, Stephen R. (1998). Die sieben Wege zur Effektivität: ein Konzept zur Meisterung Ihres beruflichen und privaten Lebens. Frankfurt/M.: Campus.

   
   
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