Thema Erziehung

Bin ich eine gute Mutter?

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Plädoyer gegen die Überforderung

Wer von uns Frauen, die Kinder haben, hat sich diese Frage nicht schon gestellt? Eine Antwort darauf zu finden – noch dazu eine, mit der man sich einigermaßen wohl fühlt und die einem in der einen oder anderen Weise tatsächlich weiterhilft – ist gar nicht so einfach. Die allgegenwärtigen frisch-fröhlichen Abbildungen von blendend aussehenden Müttern mit ihren hübsch zurecht gemachten Kindern in einschlägigen Magazinen, in der Drogeriekette, Ratgeberbroschüren etc. taugen als Modell ebenso wenig wie die Frauen, die in bekannten Talkshows oder Erziehungsratgebersendungen vorgeführt werden. Erstere (leider) unerreichbar – letztere Gott sei Dank.

Rückmeldung von anderen
Als „soziale Tiere“ sind wir zur Kooperation mit unseren Mitmenschen in der Lage und für unsere Weiterentwicklung darauf angewiesen. Wer hat nicht schon erlebt, wie schmerzhaft Bemerkungen von Verwandten oder Freunden zu unserem Umgang mit den Kindern sein können, und wer erinnert sich demgegenüber nicht gern an das Lob der Kindergärtnerin, wie gut der Tag mit Klein-Lisa oder Paule geklappt hat. Wir brauchen diese Orientierung und suchen sie auch, z.B. in Gesprächen mit den eigenen Eltern, Freunden und Bezugspersonen des Kindes. Hilfreich ist sie jedoch nicht immer. Vor allem dann nicht, wenn die Bemerkungen uns verletzen (Ach, der Karle läuft ja immer noch nicht!) oder die Kritik allgemein und nicht greifbar ist (So wird das nie was). Nicht immer hat man in solchen Situationen noch Lust, rückzufragen, was denn genau gemeint war und was man stattdessen besser machen könne. Eine Möglichkeit ist es immerhin.

Auf die innere Stimme hören
Genauso wichtig wie der Austausch mit anderen ist das eigene Gefühl als Maßstab – geht es mir so, wie ich mit meinem Sohn, meiner Tochter bin, gut? Was läuft vielleicht nicht so, wie ich es mir vorstelle? Wie kann ich das besser machen? Wer unterstützt uns ggf. dabei? Es wird Tage unbändigen Ärgers und großer Unzufriedenheit geben, die ebenso dazugehören, wie Momente riesiger Freude. Aus der Erfahrung hilft die Frage nach dem, wie für mich/das Kind/unsere Familie die Lösung oder die zukünftige Situation aussehen soll und was dazu getan werden kann, um sie zu erreichen, eher weiter als die Frage, wer Schuld hat. Schuld zu haben, ist eine ziemlich unangenehme Sache und schlimmer noch – man ist in Richtung Lösung noch keinen Schritt weiter.

Anders fragen
Vielleicht ist es auch einfach die Frage und gar nicht so sehr die Antwort, die Probleme provoziert. Die Frage nach dem „Bin ich“ unterstellt einen Status oder eine langfristig stabile Eigenschaft. Dabei ist das jeweilige Handeln auch von den Situationen, der Tagesform der Beteiligten und vielem mehr abhängig. Die Reaktionen als Mutter, wenn Kind sich verträumt seit mehreren Minuten dem Schuhe-Anziehen widmet, werden beim Aufbruch von einem Kurzbesuch bei Oma am Sonntagnachmittag völlig andere sein, als wenn Montag früh die Zeit ohnehin schon knapp geworden ist, das unverzichtbare Kuscheltier unauffindbar und die Kaffeetasse umgekippt war. Im Sinne des Suchens nach Lösungen heißt das also zu fragen, ob meine Reaktion der Situation angemessen ist und ob sie uns weiterhilft. Ungeachtet dessen dient es Kindern auch zur Orientierung, wenn sie merken, dass Mütter keine allzeit geduldigen Serviceangestellten der Familie, sondern Menschen sind, die auch nur bis zu einem gewissen Grad belastbar sind und nicht alles aushalten müssen und sollen und die Erziehen genauso erst lernen, wie die Kinder das Schuhe-Anziehen.

Bei anderen gelesen
Nach wie vor spannend zu diesem Thema ist das Buch von Jane Swigart: Von wegen Rabenmutter... Die harte Realität der Mutterliebe. Droemer Knaur, 2000.

   
   
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