Thema Geburt

Selbstregulation unterstützt die Geburt

Details Gut auf sich hören hilft

Von einer Hebamme stammt folgender Satz zu einer werdenden Mutter unter der Geburt: „Sie entscheiden jetzt, was dran ist.“ Besser kann man nicht beschreiben, wie Selbstregulation den Geburtsprozess unterstützt. Nicht die Hebamme weiß mit letzter Sicherheit, welche Haltung, welches Tun wie Baden, Umherlaufen, Ausruhen etc. gerade am besten ist, sondern sie unterstützt professionell und erfahren die werdende Mutter, indem sie sie immer wieder ermuntert, beruhigt und damit deren eigene Kräfte mobilisiert. Sie fördert damit sowohl das Verarbeiten der Schmerzen als auch durch Geduld und Loslassen der Kontrolle (paradoxerweise) das Vorankommen der Geburt.
Zu zweit entbinden
Frédérick Leboyer, ein französischer Gynäkologe, dessen Gedanken zur sanften Geburtsmedizin heute noch gelten, hat dafür in seinem Buch „Atmen, singen, gebären“1 ein schönes Bild geprägt:
die werdende Mutter als Zeugin des Geschehens. Einerseits sieht er die Frau ganz und gar selbst beteiligt; so wie niemand für sie essen oder schlafen könne, ist sie es – und nicht der Arzt oder die Hebamme – die entbindet. Andererseits wird die Geburt durch das Kind gesteuert, und die Wehen liegen außerhalb willentlicher Kontrolle. Dabei könne die werdende Mutter als Zeugin in dieses Geschehen einwilligen, alle Kräfte dafür mobilisieren und dem Kind helfen, sich aber auch dagegen stellen. Die wichtigste Erkenntnis, der er dieses Buch widmet, ist, dass eine Entbindung zu zweit gelebt wird.

Selbstregulation bewusst einsetzen
Mit einer guten Selbstregulation kann nun die werdende Mama sich selbst helfen – und ihrem Baby auch. Das fängt schon beim Umdenken an, dass der Geburtsbeginn durch das Kind bestimmt wird und frau darauf vertrauen kann. Viele Kleinigkeiten, die aber unglaublich zum Wohlbefinden und Sich-geborgen-fühlen beitragen, können im Vorfeld der Geburt besprochen werden: in welcher Umgebung soll das Kind zur Welt kommen, wen möchte ich am liebsten bei der Geburt dabei haben (oder auch nicht...), welche Musik mag ich besonders, in welcher Kleidung fühle ich mich wirklich wohl (unabhängig davon, wie seltsam ich darin aussehen mag). Kurz: alles das tun, was frau gut tut.

Auf die innere Stimme hören
Wenn während der Geburt das Verlangen nach irgendetwas gespürt wird, kann und sollte frau das ruhig sagen. Diese eigenen Impulse als Ausdruck der körperlichen Selbstregulation sind ganz wichtig und Quelle enormer Kraft. Sie kommen ja aus dem eigenen Körper, der am besten weiß, was – mit den Worten der o.g. Hebamme – jetzt dran ist. Wenn die Schmerzen kaum erträglich scheinen, sich immer wieder mit Vertrauen in die Wehen hineinzubegeben, mit denen das Kind kommt, hilft genauso wie ganz loszulassen und einfach laut zu atmen, zu stöhnen oder zu tun, wonach einem auch immer in dieser Situation ist. Die Pausen zwischendurch bewusst zur Erholung nutzen, eine angenehme Haltung einnehmen, vielleicht etwas trinken. So wie sich das Kind auf den Weg macht, so wird frau  unter der Geburt Mutter und muss sich immer wieder neu auf den Weg des Kindes und auf ihre Bedürfnisse einstellen. Das bewusst zu tun, hilft beiden.

1Frédérick Leboyer (2006). Atmen, singen, gebären. Düsseldorf: Walter Verlag

   
   
© 2017 - AllesumsBaby.de

Template by LernVid.com