Thema Geburt

Wann ist der Mann ein Mann? Väter bei der Geburt.

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Nachdem die Generation heutiger Großeltern kaum eine Chance hatte, die Geburt ihrer Kinder gemeinsam zu erleben, gehört es heute fast zum guten Ton, dass der künftige Papa dabei ist. Dabei ist die Entscheidung für oder gegen das Miterleben (und Miterleiden) der Geburt eine zutiefst persönliche Angelegenheit des werdenden Vaters, die er unabhängig vom allgemeinen Trend treffen sollte. Das hilft nicht nur ihm, in der jeweiligen Situation klarzukommen, sondern auch für den weiteren gemeinsamen Weg als Paar.


Kein Eindruck gleicht dem anderen
Der eine fällt in Ohnmacht. Der nächste findet es einfach nur unmöglich, dass keiner bemerkt, dass er schon seit Stunden Hunger und kaum etwas getrunken hat. Wieder einer ist zwar ziemlich hilflos und übermüdet, aber trotzdem froh, die Hand seiner Freundin halten zu können. Das Erstaunlichste, woran sich ein anderer, durchtrainierter junger Mann erinnern kann, waren die ungeahnten Rückenschmerzen, die er selbst erfahren hat. Wunderbar und unwiederbringlich sind die Erlebnisse desjenigen, für den es das Größte überhaupt ist, wenn der eigene Sohn, die eigene Tochter das Licht der Welt erblickt.

Kontrollverlust und Grenzerfahrung
Mit der kaum beeinflussbaren Situation der Geburt zurechtzukommen, ist eine echte Herausforderung. Und zwar für beide. Jede Geburt verläuft anders. Schmerzen werden ganz unterschiedlich verarbeitet. Babys haben ihr eigenes Tempo, auf die Welt zu kommen. Selbst wenn frau schon ein oder mehrere Kinder geboren hat, bedeutet die nächste Geburt wieder ein erstes Mal mit diesem Kind. Ein nicht unbedeutender Grund für Angst und Unsicherheit vor der Geburt liegt in der geringen Möglichkeit, auf die konkreten Umstände Einfluss zu nehmen: Kündigt sich die Geburt durch Wehen an oder platzt mitten in der Nacht unerwartet die Fruchtblase? Wird die Lieblingshebamme noch zur Geburt da sein? Haben wir ganz viel Zeit und Ruhe, oder müssen gerade mehrere Frauen gleichzeitig betreut werden? Kommt das Kind leicht und komplikationslos oder werden größere geburtshilfliche Eingriffe notwendig? Keine Frau weiß vorher, was genau passiert, schon gar nicht, in welcher psychischen und körperlichen Verfassung sie sich befinden wird und was ihr dann am besten hilft. Und kein Mann ahnt vorher, wie er mit dieser Grenzerfahrung zurechtkommen wird, wenn er z.B. die Schmerzen seiner Liebsten nicht lindern kann. Entsprechend ist es auch kaum möglich, als Mann oder als Paar vorher optimale Verhaltensweisen festzulegen.

Ziehen und gleichzeitig dagegen drücken
Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht gemeinsam auf die Geburt vorbereiten kann. Es vermittelt viel Sicherheit für beide, wenn man die Vorstellungen und Wünsche des anderen kennt und zumindest die Möglichkeit hat, darauf einzugehen. Ist der werdende Vater bei der Geburt dabei, braucht es großes gegenseitiges Vertrauen, wenn Mann in dieser Grenzsituation, z.B. beim Versuch einer zärtlichen Rückenmassage, die sonst immer so angenehm war, plötzlich bissig abgewiesen wird und Frau trotzdem die Gewissheit hat, dass das so völlig in Ordnung ist. Das Wissen darum, dass solche Reaktionen der ungeheuren körperlichen und psychischen Anstrengung geschuldet sind und nicht der Partner gemeint ist, und das gegenseitige Verständnis hierfür helfen sicherlich. Genauso wie umgekehrt das Verlassen des Kreißsaals, wenn es für Mann zu  viel wird, nichts mit der Frau zu tun hat. Schließlich wächst man durch das Meistern einer solchen Situation auch als Paar weiter zusammen – und zwar unabhängig davon, ob Papa in spe dabei war, oder beide erfahren und respektiert haben, dass jeder seine Grenzen hat.

   
   
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