Thema Gesundheit

Anders ist ganz normal

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Kinder entwickeln sich unterschiedlich

Wir Menschen sind sowohl ganz gleich als auch ganz verschieden. Jeder von uns trägt die Nase mitten im Gesicht, jedoch gleicht keine der anderen. In der Entwicklung von Kindern lässt sich das genauso beobachten. Eine Schwangerschaft dauert beispielsweise in der Regel 40 Wochen, aber nur etwa drei Prozent der Kinder kommen am errechneten Geburtstermin zur Welt. Bei der Einschätzung des Entwicklungsstandes der Kinder ist es daher hilfreich, sich neben der Orientierung an Normen, was Kinder ungefähr wann können sollten, auch bewusst zu machen, wie unterschiedlich sie sich trotzdem entwickeln. Damit kann man sich und den Kindern die nötige Gelassenheit und Ruhe erlauben, die eine gesunde Entwicklung ebenso braucht wie ggf. frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Störungen.

Alle gleich...

Den bekannten ärztlichen Untersuchungen von Kindern bis zum Schulanfang (U1-U9) oder Bildungsplänen in Kindertagesstätten liegt die Betrachtung von Durchschnittswerten zugrunde – wieviel z.B. ein Kind mit 12 Monaten wiegt und wie groß es ist, wann es die ersten Wörter spricht oder wann es ohne Windel tagsüber und nachts zurechtkommt. Diese Werte helfen uns, da sie eine gewisse Orientierung ermöglichen, „wie das denn bei den meisten so ist“. Sie zeigen allerdings nicht, dass Entwicklung oft sprunghaft verläuft und verschiedene Bereiche sich ganz normal (!) unterschiedlich schnell entwickeln. Ein Kind, das bereits mit elf Monaten läuft, kann z.B. erst spät anfangen zu sprechen, ohne dass die geringste  Beeinträchtigung vorhanden wäre. Selbst diese Gleichheit, das Normale, also unser Maßstab verändert sich: bspw. waren die Leute im vorletzten Jahrhundert viel kleiner als wir, was jeder noch selbst  erleben kann, der in alten Bauernhäusern durch die niedrigen Zimmertüren geht.

… und alle verschieden

Es geht einfach darum – zumindest für die allermeisten Fälle – sich nicht verrückt machen zu lassen, wenn in der Krabbelgruppe sich die meisten Babys schon auf allen Vieren fortbewegen, nur das eigene immer noch nicht, oder die Sprösslinge der Kindergartengruppe schon lange keine Windel mehr brauchen, nur beim eigenen will es einfach nicht klappen. Genau betrachtet, wird es immer Dinge geben, die der eigene Nachwuchs besser kann als andere, und genauso Dinge, wo das Kind „hinterher“ ist. Sicher ist meistens, dass dieses „hinterher“ nur für eine bestimmte Zeit besteht, sich vieles von ganz allein gibt, nämlich dann, wann es beim Kind soweit ist, nur eben nicht dann, wann die statistische Norm es voraussagt. Ein guter Kinderarzt wird den jeweiligen Entwicklungsstand mit seiner bzw. ihrer Erfahrung gut einordnen können, und meistens zeigen auch weitere ärztliche Untersuchungen, z.B. der Blase beim Einnässen, dass alles in Ordnung ist und das Kind – in diesem Bereich – einfach noch nicht so weit ist. (Natürlich gibt es auch Ausnahmesituationen wie z.B. körperliche oder geistige Behinderungen, auf die selbst diese Überlegungen nur teilweise oder gar nicht zutreffen). Wichtig bleibt immer, das Kind insgesamt zu sehen, mit all seinen Stärken und Schwächen, in seiner Gleichartigkeit zu anderen und in seiner Einzigartigkeit. Verständlicherweise fällt das oft schwer, weil das Augenmerk meist auf dem haften bleibt, was nicht funktioniert, und das, was es alles schon gut kann, nicht zur Sprache kommt. Doch sich dies immer wieder vor Augen zu führen, hilft im Alltag ungemein, Kind und Eltern.

Zum Weiterlesen

Ein sehr interessantes und gut verständlich geschriebenes Buch zu diesem Thema sind die „Kinderjahre“ von Remo H. Largo, 1999 im Piper-Verlag erschienen.

   
   
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