Thema Gesundheit

Ratgeber Abnabelung – Bedeutung von Stammzellen im Nabelschnurblut

Details

Vor der Geburt sind Eltern mit den Vorbereitungen auf den Nachwuchs meist schwer beschäftigt. Von der Wiege über den Kinderwagen bis hin zur Babybekleidung wird sämtliche Ausrüstung beschafft, damit es dem Kind an nichts mangelt. Welche große Bedeutung die Abnabelung hat, ist vielen Eltern meist nicht bewusst. Dabei kann das in der Nabelschnur enthaltene Blut Leben retten, womöglich sogar das des eigenen Kindes. Sollte es später schwer erkranken, bietet das zum Zeitpunkt der Geburt eingelagerte Nabelschnurblut möglicherweise die Rettung bringende Therapiemöglichkeit.

Allgemeine Informationen zur Nabelschnur

Während der Schwangerschaft dient die Nabelschnur als lebensnotwendige Verbindung zwischen Mutter und Embryo. Das Kind ist damit direkt an den Blutkreislauf der Schwangeren angebunden.  Während dem Kind über die Plazenta Nährstoffe und Sauerstoff zugeführt werden, werden Stoffwechselabbauprodukte des Ungeborenen abgeführt. Nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt, das Kind atmet selbstständig und die Nährstoffversorgung wird anschließend über die Muttermilch beziehungsweise Säuglingsnahrung sichergestellt. Das Abnabeln selbst ist sowohl für Mutter als auch für den Nachwuchs schmerzfrei, weil die Nabelschnur frei von Nerven ist.

Nach der Abnabelung

Nach dem Abnabeln ist die Nabelschnur weiterhin von Bedeutung für die Gesundheit des Kindes. Zunächst kommt es zu einer Pflichtuntersuchung: Aus dem mit der Mutter verbundenen Teil der Nabelschnur wird durch Ärzte oder Hebammen Blut entnommen, um pH-Wert sowie Blutgruppe zu bestimmen. Mit Hilfe des pH-Wertes erfahren Ärzte, wie gut oder weniger gut das Kind vor der Geburt versorgt war. Litt das Ungeborene vor der Geburt vorübergehend unter einer zu geringen Sauerstoffversorgung, liegt der Nabelschnurblut-pH-Wert bei unter 7,0. In diesem Fall beobachten Ärzte das Neugeborene besonders aufmerksam.

Stammzellen aus dem Nabelschnurblut

Eine wichtige Entscheidung, die Eltern rechtzeitig treffen müssen, betrifft das Blut innerhalb der Nabelschnur. Es kann auf Wunsch nach dem Abnabeln risikofrei entnommen und eingelagert werden. Grund für das Einlagern sind die außergewöhnlichen Eigenschaften von Nabelschnurblut. Es enthält wertvolle Stammzellen, die zur Therapie verschiedener Krankheiten eingesetzt werden können. Da die Nabelschnurblut-Stammzellen ausschließlich direkt nach der Geburt gewonnen werden können, handelt es sich um eine einmalige Gelegenheit. Das Nabelschnurblut wird nach der vollkommen risikolosen Entnahme und einer strengen Kontrolle mit Hilfe von flüssigem Stickstoff und Temperaturen unter -170°C für Jahrzehnte haltbar gemacht.

Eltern haben diesbezüglich drei Möglichkeiten:

  1. Spenden

    Können oder möchten Eltern keinerlei Unkosten durch die Einlagerung von Stammzellen aus Nabelschnurblut auf sich nehmen, wäre das Spenden an öffentliche Nabelschnurblutbanken eine überaus sinnvolle Sache. Die Institutionen konservieren das Blut nach eigehender Prüfung inklusive der Stammzellen. Sollten sich geeignete Empfänger finden, wie zum Beispiel ein Blutkrebspatient, kommt es zur Stammzelltransplantation und das Nabelschnurblut rettet Leben. Nachteilig am Spenden ist die Tatsache, dass das eigene Kind den Anspruch auf die körpereigenen Stammzellen verliert. Neben der Spende für Kranke können Eltern die Stammzellenforschung fördern. Dann kommen die Stammzellen der Therapieentwicklung zugute. Universitäre Institutionen, Stammzellregister und private Nabelschnurblutbanken stehen hierfür zur Verfügung.



  2. Spenden und private Vorsorge

    Damit auch das eigene Kind vom Potenzial des Nabelschnurbluts profitieren und trotzdem anderen Menschen geholfen werden kann, empfiehlt sich eine Kombinationslösung aus Spenden und Einlagern für den Eigenbedarf. Hierbei wird das Stammzellpräparat zwar in Stammzellregister eingetragen, um eventuellen Empfängern bereitgestellt zu werden, jedoch besteht ein Vorrecht auf die körpereigenen Stammzellen seitens der Spender. Bevor die Spende als solche registriert wird, muss sie geprüft werden. „Anschließend werden die Daten anonymisiert über das Stammzellregister auf www.stemcellsearch.org weltweit für eine Stammzell-Suche zur Verfügung gestellt.“, so der Hinweis unter vita34.de, der Internetpräsenz einer privaten Stammzellbank, welche als erste eine Kombination aus Nabelschnurblut-Spende und Eigenvorsorge anbot. Sollte sich ein Patient finden, der die eingelagerten Stammzellen benötigt, werden die Eltern informiert. Erst nach einer schriftlichen Zustimmung der Eltern kommt es zur endgültigen Spende. Ist dies der Fall erstattet die genannte Stammzellbank die bis dahin gezahlten Gebühren für die Konservierung samt Zinsen. Sollte stattdessen der Bedarfsfall eintreten und das Kind seine körpereigenen Stammzellen selbst benötigen, ist das eingelagerte Blut sofort abrufbar. 

  3. Eigenbedarf

    Alternativ zur Spende oder Kombinationslösung kann Nabelschnurblut ausschließlich für den Eigenbedarf eingelagert werden. Dies erfolgt über private Stammzellbanken gegen Gebühr. Der finanzielle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Die exakten Kosten hängen vom Anbieter und der Konservierungsdauer ab. Dank des niedrigen Temperaturbereichs beim Einlagern kommt der Lebensprozess der Stammzellen zum Erliegen, während die Vitalität vollständig erhalten bleibt. Die Einlagerung ist theoretisch unbegrenzt möglich. Im Fall der Einlagerung für den Eigenbedarf wird das eingelagerte Nabelschnurblut nicht für eine Spende bereitgestellt.


Allerdings bietet nicht jedes Krankenhaus den Service der Blutentnahme aus der Nabelschnur, weshalb sich werdende Eltern vorab informieren und sich gegebenenfalls für ein alternatives Krankenhaus entscheiden müssen.


Potenzial und Heilungschancen

Ob es sich lohnt, Stammzellen aus der Nabelschnur einzulagern, kann derzeit kein seriöser Arzt eindeutig bestätigen. Fest steht, dass die im Nabelschnurblut enthaltenen, adulten Stammzellen nicht nur frei von Viren sind, sondern besonders vital, d. h. sie können sich in unterschiedlichste Zelltypen ausdifferenzieren. Das macht sie für die Medizin besonders wertvoll und interessant. Darüber hinaus sind diese Stammzellen ethisch unbedenklich. Einige Krankheiten können bereits heute erfolgreich geheilt werden: beispielsweise Leukämie, Blutbildungsstörungen wie die aplastische Anämie aber auch angeborene, schwere Immundefekte wie das Wiskott-Aldrich-Syndrom. Auch bei der Behandlung von kindlichen Hirnschäden gab es erste, vielversprechende Verbesserungen. Forscher arbeiten derzeit an der Entwicklung von Therapien für viele andere Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Trotz dieser hoffnungsvollen Aussichten wird die Nabelschnur bei über 95 Prozent der Geburten entsorgt, ohne dass die darin enthaltenen und nachweislich kostbaren Stammzellen verwendet werden. Das ist schade, denn Neugeborene können bereits Menschenleben retten.

Am Beispiel der Frauenklinik Düsseldorf thematisierte die Sendung Lokalzeit die Vorgehensweise bei der Stammzellenspende:

 

Fotos: von pixabay.com (Bild 1: eloisa, Bild 2: geralt, Bild 3: landondell)

   
   
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