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Streit mit dem Nachbarn - Wann Kinder zu laut sind

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Kinderlärm stellt einen häufigen Streitpunkt zwischen Familien und deren Nachbarn dar. Die Interessen von ruhebedürftigen Mietern, häufig in fortgeschrittenem Lebensalter, lassen sich schwer mit denen von Müttern und Vätern mit kleineren Kindern vereinbaren. Diese Konflikte bieten in vielen Fällen sogar Anlass für Auseinandersetzungen vor Gericht. Für einiges Aufsehen sorgte das vor kurzem gefällte Urteil des Amtsgerichts München (Az.: 281 C 17481/16), das einer Familie unter Androhung eines Ordnungsgeldes das Lärmen durch Kindergeschrei, Trampeln und Ähnliches in den allgemeinen Ruhezeiten untersagte.

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Kinderlärm ist prinzipiell hinzunehmen

Juristisch handelt es sich bei Lärm um die schädigenden Einwirkungen, die Schall entfaltet. Bei Kinderlärm kann diese Beeinträchtigung in einer subjektiven Gesundheitsschädigung des Betroffenen bestehen. Er leidet durch die anhaltende Geräuschbelästigung unter Beschwerden wie Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Schlafpobleme oder Störungen des allgemeinen Wohlbefindens. Aus der übermäßigen Lärmbelastung kann ein Unterlassungsanspruch resultieren, der sich gegebenenfalls vor Gericht durchsetzen lässt. Grundsätzlich gelten für Lärmbelästigungen die einschlägigen Regelungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes sowie die Immissionsschutzgesetze der Länder. Allerdings zählen durch spielende Kinder verursachte Beeinträchtigungen anders als früher nicht mehr zu den in diesen Gesetzen geregelten Immissionen. Üblicher Kinderlärm gilt seit dem Jahre 2011 nicht länger als unzumutbare Belastung. Vielmehr haben Nachbarn die Geräusche, die auf den natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang von Kindern zurückzuführen sind, hinzunehmen. Das Gleiche trifft auf das Schreien von Säuglingen während der gesamten Tages- und Nachtzeit zu. Kinderlärm ist insbesondere zu akzeptieren, wenn er von Spiel- und Boltzplätzen sowie Schulhöfen und anderen Einrichtungen ausgeht, die zum Spielen und Austoben angelegt wurden.

Unzumutbare Lärmbelästigung durch Kinder

Aus diesem Grund ist ein Anspruch auf Begrenzung des Lärms in der Regel nur auf den Krach beschränkt, den Kinder in der Wohnung, im Garten oder privaten Grünanlagen während der Ruhezeiten machen. Die allgemeinen Ruhezeiten liegen heute ausschließlich in der Zeit zwischen etwa 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens, eine Mittagsruhe gilt hingegen nicht mehr. Eine Rechtschutzversicherung bietet Betroffenen die Möglichkeit, ihr Recht auf Unterlassung der Lärmbelästigung mit der Unterstützung eines Anwalts vor Gericht durchzusetzen. Dabei ist unbedingt zwischen gewöhnlichem Kinderlärm und einer Geräuschbelästigung, die durch rücksichtsloses Verhalten entsteht, zu unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise das lang andauernde Fahren mit Kinderrollern oder Bobbycars auf einem mit Laminat belegtem Fußboden oder das wiederholte Springen von einem Stuhl. In diese Kategorie fällt auch das laute Abspielen von Musik, das vor allem bei Jugendlichen häufig vorkommt. Mieter, die unter derartigen Belästigungen durch rücksichtslosen beziehungsweise vermeidbarem Kinderlärm leiden, haben das Recht eine Mietminderung vorzunehmen. Zuvor müssen sie sich entweder mit dem Vermieter oder den Eltern der lärmenden Kinder in Verbindung setzen und auf ein Unterlassen dieses Verhaltens drängen. Bleibt dies ohne Erfolg, sehen Gerichte eine Minderung der Monatsmiete als gerechtfertigt an. Deren Höhe hängt vom Einzelfall ab, bei lang anhaltenden und intensiven Störungen der Nachtruhe sind Minderungen der Monatsmiete von 20 bis zu 30 Prozent angemessen.

Tipps für Lärmopfer

Wer sich durch den Krach der Kinder von Mitbewohnern in einem Mehrfamilienhaus gestört fühlt, sollte den Lärm während der Ruhezeiten in einem Protokoll festhalten. Außerdem ist es sinnvoll, sich mit anderen Nachbarn zusammenzuschließen und sich gegebenenfalls um Zeugen zu bemühen. Eine Mietminderung oder eine Unterlassungsklage sollten Betroffene erst vornehmen, nachdem mehrere Versuche der gütlichen Einigung gescheitert sind.

   

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